2023

2023 . ZWISCHEN GEBRAUCH UND KONTEMPLATION

Jahreskonzept

Das Jahresthema  ZWISCHEN GEBRAUCH UND KONTEMPLATION wurde der von Albert Kirchengast kuratierten Ausstellung mit dem Titel „Elementare Gefäße. Zwischen Gebrauch und Kontemplation: eine andere Erzählung der Moderne“ entlehnt und zum Leitgedanken des Programms für das gesamte Jahre erklärt.

Im Jahr 2023 wird das Landhaus Lemke  90 Jahre alt. Es wurde 1932/33 von Ludwig Mies van der Rohe für das Ehepaar Karl und Martha Lemke als ein Wohnhaus entworfen. Ein Wohnhaus ist im Allgemeinen zum Leben und zum Gebrauch gedacht. So hatten auch die Auftraggeber klare Vorstellungen an das Wohnen im eigenen Haus. Doch Mies wäre nicht Mies wenn er nicht dem Haus Lemke durch eine radikale Klarheit der architektonischen Sprache und die Offenheit zur Natur eine zusätzliche geistig-ästhetische Dimension verliehen hätte. Diese macht das Anwesen auch zu einem Ort der Kontemplation. Insofern erinnern wir uns in 2023 an die Auftraggeber Lemke und den Architekten Mies und ihre utopischen Vorstellungen für ein modernes Leben. Das nunmehr zum Ausstellungsort für Gegenwartskunst avancierte Mies van der Rohe Haus bezieht sich in aktuellen Programmen immer auch auf Mies van der Rohe, das Haus selbst und die Kultur der Moderne.

 

AUSSTELLUNGEN

AFTERMATHEMATICS - Shannon Finley

Ausstellung: 16.04.-25.06.2023

Scheinbar logisch, doch schließlich schwer zu fassen ist die Malerei von Shannon Finley (*1974). In einem Zusammenspiel vom geometrischen Detail und der Ganzheit der Leinwand entsteht eine komplexe Spannung, die sich vor dem Auge des Betrachters immer wieder neu konstituiert. Seine prismatische Malerei erinnert an die technoide Welt von Metropolis oder die groben Pixel der frühen Computerspiele. Der kanadische Künstler Shannon Finley lebt und arbeitet seit 2014 in Berlin. Finleys Ausstellung „Aftermathematics“ ist Teil der Themenreihe 2023 „Zwischen Gebrauch und Kontemplation“.

VERANSTALTUNGEN

KUNST ORT REVOLUTION - Part 1: Collage-Workshop und Klanginstallation

15.07.2023

Das Mies van der Rohe Haus und das Museum Lichtenberg im Stadthaus beteiligen sich mit einer gemeinsamen Aktion am Kulturprogramm DRAUSSENSTADT.

Am Samstag,15. Juli 2023 um 15-19 Uhr findet auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin ein künstlerischen Collage-Workshop und eine Klanginstallation mit dem dänisch-ukrainischen Künstler Sergei Sviatchenko und dem Berliner Musiker und Komponisten Konstantin Schimanowski satt.

Gegenstand ist das 1926 von Ludwig Mies van der Rohe für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht entworfene und 1935 von den Nationalsozialisten zerstörte „Revolutionsdenkmal“. Das Denkmal stand einst auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde und erinnerte an die Opfer der Novemberrevolution von 1918/19. Die abstrakte architektonische Skulptur war nicht nur künstlerisch herausragend, sondern stand auch am Anfang eines demokratischen Aufbruchs, der 1933 sein jähes Ende fand.

Am Originalstandort des Denkmals wird der dänisch-ukrainische Künstler Sergei Sviatchenko einen Workshop halten, der die persönliche Geschichte der Teilnehmenden mit dem historischen Kontext des verlorengegangenen Monuments in Verbindung bringt. Begleitet und unterstützt wird Sviatchenko von dem in Berlin lebenden Musiker und Komponisten Konstantin Schimanowski, der zu diesem Zweck eine ortsspezifische Soundinstallation herstellt.

Das Kulturprogramm DRAUSSENSTADT hat die kulturelle Teilhabe möglichst vieler Menschen zum Ziel. Es bündelt, zeigt und ermöglicht Berliner Stadtkultur im Freien. 2021 wurde es von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt ins Leben gerufen.

 

Konstantin Schimanowski ist Komponist, Musikproduzent und Klangkünstler. Er wurde 1985 in Olenegorsk, Russland, geboren und emigrierte im Alter von acht Jahren nach Deutschland. Schimanowski studierte Philosophie und Kunstgeschichte an der Albert-Ludwig-Universität in Freiburg im Breisgau, gefolgt von einem M.A.-Abschluss in Sound Studies and Sonic Arts an der Universität der Künste, Berlin. Performances u. a. im Rahmen der Ausstellung „Kosmokopien“ im Haus der Kulturen der Welt und zur Wiedereröffnung der Berliner Hansabibliothek als Hommage an die Internationale Bauausstellung „Interbau“ 1957.

Sergei Sviatchenko wurde in der Ukraine geboren und lebt und arbeitet seit 1990 in Viborg, Dänemark. Er machte 1975 seinen Abschluss an der Kunst- und Architekturakademie in Charkiw und promovierte an der Kiewer Schule für Architektur. Er ist Ehrenmitglied und Professor der ukrainischen Akademie für Architektur. Mit einem Fuß in seinem Heimatland Ukraine und dem anderen in Dänemark verbindet Sviatchenko die Traditionen des sowjektischen Konstruktivismus und der Fotomontage mit der Ästhetik des Bauhauses sowie mit westlicher Pop Art, abstraktem Expressionismus und Rockmusik. Sviatchenkos Collagen und Gemälde wurden in Dänemark, Deutschland, Italien, Frankreich, England, Kanada und den USA ausgestellt und in Zeitschriften weltweit veröffentlicht.

Ort der Veranstaltung

Standort Revolutionsdenkmal
Zentralfriedhof Friedrichsfelde
Gudrunstraße 20
10365 Berlin

Kuratoren

Simon Behringer und Jan Maruhn

 

KUNST ORT REVOLUTION - Part 2: ANIMATIONSFILM - OPEN SET

12.08.2023

Das Mies van der Rohe Haus und das Museum Lichtenberg im Stadthaus beteiligen sich mit einer gemeinsamen Aktion am Kulturprogramm DRAUSSENSTADT.

Am Samstag, 12. August 2023 um 11-19 Uhr findet auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin eine lebende Produktion eines Animationsfilms mit den Künstler*innen Alice Creischer und Andreas Siekmann statt. Das Filmset kann besucht werden, so lange es hell ist.

Als Filmset dient der ehemalige Ort des Revolutionsdenkmals, an den Gräbern von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und dutzender weiterer Opfer der Novemberevolution. Es wird das Setting für einen Animationsfilm mit Knetgummifiguren, in dem sich der ehemalige Chef des Google-Konzerns, Eric Schmidt, und Rosa Luxemburg begegnen. Wie kommt es zu dieser Begegnung an einem Denkmal, das es nicht mehr gibt?

Alice Creischer und Andreas Siekmann knüpfen mit dieser Arbeit an eine Reihe von Knetgummi-Animationsfilmen an, die sie in wechselnden Konstellationen seit den neunziger Jahren produzieren. Die Produktion von Animationsfilmen verbraucht mit seinen zwölf Einstellungen pro Sekunde sehr viel Zeit. Das macht es notwendig, sich für eine längere Dauer an diesem Ort aufzuhalten. Es ist also ein extrem verlangsamtes Gedenken. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, gemeinsam mit den Künstler*innen an diesem Prozess teilzuhaben und im Austausch den Film mitzuentwickeln. Wie die Geschichte im Film weitergeht, bleibt noch offen.

 

Alice Creischer studierte Philosophie, Germanistik und Bildende Kunst in Düsseldorf. Als eine der Schlüsselfiguren der deutschen politischen Kunstszene der neunziger Jahre war Creischer an einer Vielzahl von kollektiven Projekten, Publikationen und Ausstellungen beteiligt. Creischer setzt sich in ihren Arbeiten hauptsächlich mit Themen wie Wirtschaft und Geld, Macht und Machtlosigkeit sowie Armut und Reichtum auseinander. Lange zählte sie zum festen Autor*innenstamm von „Texte zur Kunst“ und „springerin“. Als Kuratorin wirkte sie an bedeutenden Ausstellungen zur Kritik von Neoliberalismus und Kolonialismus mit. Institutionelle Einzelausstellungen zeigten Creischer als Konzeptkünstlerin, Malerin und Bildhauerin. Im Jahr 2006 erhielt sie den norwegischen Edward-Munch-Preis für Gegenwartskunst. 2007 war sie auf der documenta 12 vertreten.

Andreas Siekmann beschäftigt sich in seinen Werken mit der Ökonomisierung und Privatisierung des öffentlichen Stadtraumes. Seine Arbeiten stehen in der Tradition der Kölner Progressiven. Siekmann studierte an der Kunstakademie Düsseldorf. Er arbeitet mit verschiedenen Medien, darunter Zeichnung, Malerei, Film, Objekten und Interventionen im öffentlichen Raum. Zusammen mit Alice Creischer kuratiert er regelmäßig Ausstellungen. Seine Arbeit war Teil der International Biennial of Contemporary Art of South America, Buenos Aires (2017); der 13. Istanbul Biennale (2013); der Documenta 12 (2007) und Documenta11 (2002) sowie der 50. Venedig Biennale (2003).

Ort der Veranstaltung

Standort Revolutionsdenkmal
Zentralfriedhof Friedrichsfelde
Gudrunstraße 20
10365 Berlin

Kuratoren

Simon Behringer und Jan Maruhn