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Ausstellung: 9.10.2022 - 26.03.2023

Eröffnung: 9. Oktober 2022, 14 Uhr

Mies war ein Formenfinder, aber mehr noch als die reine Form erforschte er das Verhältnis zwischen Raum und Geist. Seine Denkmalprojekte, ob zerstört oder nie gebaut, waren wegweisende Entwürfe, die heute nur im Bild erhalten sind.
Für die Elisenhöhe bei Bingen entwarf Mies 1910 eine Pfeilerhalle, die einen offenen Raum umfasste. Über Weinbergen sollte sich sein Denkmal als Erinnerungsmal für den nach seinem Ableben 1898 zum mythischen „Übervater der Nation" verklärten Bismarck erheben. Von Ferne grüßt Schinkels Entwurf für das Orianda-Schloss auf der Krim. Hier hätte das „Denkmal als Palast“ den Rhein beherrscht. 
Für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg gestaltete Mies im Frühjahr 1926 einen Block; keinen Raum, keine Hülle, stattdessen eine wuchtige Skulptur aus vor- und zurückspringenden Backsteinquadern in einer Gartenlandschaft. Er überhöhte das Revolutionsdenkmal zum abstrakten Rednerpult, von dem aus die Überlebenden die Toten der Revolution ehren und gleichsam in die Zukunft weisen sollten. Zwischen erratischer Monumentalität und Bewegung wurde Mies‘ rhythmisierte Backsteinarchitektur so zum „Sinnbild der Masse".
Nach dem Bismarckdenkmal bei Bingen und dem massiven Körper des Revolutionsdenkmals in der Friedrichsfelder Friedhofslandschaft entwarf Mies 1930 einen fast „leeren Raum“ innerhalb der Schinkelschen Mauern der Neuen Wache. Architektur und Gedenken kommen in Mies' Entwurf vor nackten Wänden zueinander und lenken den Blick auf die antike Cella, mit ihrem Opfer und Gedenkblock aus schwarzem Granit. 
Im Zwischenreich von Architektur und Kunst machte Mies drei Vorschläge zur modernen Erinnerungskultur. Mit dem Palast, dem Block und dem leeren Raum präzisierte der Architekt räumliche Erinnerungswelten zwischen persönlicher und kollektiver Bildfindung.

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Eine Veranstaltungsreihe zum Revolutionsdenkmal von 1926

Nächste Veranstaltung: Freitag, 14. Oktober 2022, Einlass 17:30 Uhr, Beginn 18 Uhr im Mies van der Rohe Haus

Es spricht: Jean-Louis Cohen, Moderation: Wita Noack und Jörn Köppler

Das Revolutionsdenkmal von Ludwig Mies van der Rohe auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde erinnerte an die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. In der Denkmalkultur singulär, ist der künstlerische Entwurf ein Meisterwerk. Nach nur wenigen Jahren wurde das Backsteindenkmal bereits 1935 von den Nationalsozialisten zerstört. Die vielfältigen Fragestellungen, die sich aus dem Wunsch nach einem Wiederaufbau ergeben, sollen im Rahmen der Vortragsreihe kontrovers diskutiert werden; Fragestellungen zu Architektur und Ideologie, auch zu Mies‘ Rolle als Architekt in den ersten Jahren nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten bis zu seiner Emigration in die USA, sowie Fragestellungen zur technischen und ästhetischen, aber auch moralischen Machbarkeit eines Wiederaufbaus. Wiederzugewinnen wäre nicht nur ein Architekturdenkmal, sondern auch ein wichtiges Denkmal deutscher Demokratiegeschichte.

Um vorherige Anmeldung und pünktliches Erscheinen wird gebeten.

Weitere Termine: 11.11.2022, ab 18 Uhr

Weitere Informationen finden Sie hier. Alle Vorträge und Diskussionen werden live über den YouTube-Kanal des Mies van der Rohe Hauses gestreamt und bleiben anschließend dort abrufbar. 

 

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