
13. Juni bis 12. Juli 2026
Rund um die Uhr zugänglich
Eröffnungsveranstaltung: Samstag, 13. Juni, 16 Uhr
Zentralfriedhof Friedrichsfelde, Gudrunstr. 20, 10365 Berlin
Anlässlich des 100. Jahrestags der Enthüllung des von Ludwig Mies van der Rohe entworfenen Revolutionsdenkmals realisiert das Mies van der Rohe Haus auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde Denkmal für ein Denkmal für ein Denkmal, ein Projekt des Künstlers Nils Norman. Ausgangspunkt ist die Leerstelle, die der 1935 von den Nationalsozialisten zerstörte Bau hinterlässt. Das Projekt fragt danach, welche Bedeutung utopische Entwürfe und ihre Brüche für gegenwärtige gesellschaftliche Auseinandersetzungen haben können.
Im Zentrum steht eine von Nils Norman entworfene temporäre, partizipative Architektur, um die sich über einen Monat hinweg Veranstaltungen, Diskussionen und Begegnungen gruppieren. Indem das Projekt von dem her denkt, was nicht mehr vorhanden ist, versteht es Erinnerung als lebendigen, gemeinschaftlichen Prozess.

Der Architekt Ludwig Mies van der Rohe errichtete 1926 auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde ein Denkmal zur Erinnerung an Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und weitere 1919 ermordete Revolutionäre. Die mehr als 15 Meter lange Konstruktion aus rotem Backstein gilt in mehrfacher Hinsicht als revolutionär: Mit ihrer abstrakten Formensprache machte sie Material und Form selbst zu Trägern von Emotionen. Zugleich schlug sie ein aktives Verständnis von Erinnerung vor. Eine vorgelagerte Fläche für Ansprachen verwandelte das Denkmal in einen Ort gegenwärtiger Versammlung und politischer Praxis.
Das Denkmal entstand im Auftrag der KPD und wurde 1935 von den Nationalsozialisten zerstört. Bis heute wird über eine Rekonstruktion des Denkmals gestritten. Ein vom Mies van der Rohe Haus 2022 veranstaltetes Symposium zeigte, dass die komplexe politische Geschichte des Ortes einer eindeutigen Wiederaufbau-Forderung entgegensteht. Vor diesem Hintergrund blickt Denkmal für ein Denkmal für ein Denkmal nicht nur zurück, sondern reflektiert kritisch über soziale Bewegungen und ihre gescheiterten Utopien, um daraus Perspektiven für die Gegenwart zu gewinnen.
In seiner künstlerischen Praxis verbindet Nils Norman (*1966, lebt und arbeitet in Amsterdam und München) öffentlichen Raum, Architektur und Stadtentwicklung. Seine Arbeiten thematisieren die sozialen Dimensionen von Landschaften und fragen danach, wie, für wen und von wem öffentlicher Raum gestaltet wird. Mit Blick auf historische Avantgarden und das emanzipatorische Potenzial des Spiels entwerfen seine Projekte Möglichkeiten einer nicht-hierarchischen Aneignung öffentlicher Räume.
Für Denkmal für ein Denkmal für ein Denkmal übersetzt Norman die Dimensionen des ursprünglichen Denkmals in eine Architektur aus Bühnenelementen, deren modulares System die dynamische Fassade von Mies’ Entwurf aufgreift. Ein mehrteiliger Vorhang zitiert die Bildsprache politischer Banner des frühen 20. Jahrhunderts und vermengt sie mit der modernen Formensprache der Zeit. Ohne eindeutige Embleme wird Normans textile Zeichnung zu einer offenen Befragung des Verhältnisses von Inhalt und Form, wie sie auch Mies’ Denkmal stellt. Durch die Verschachtelung von Bühnenarchitektur und historischem Entwurf verwandelt sich der monolithische Charakter des Originals in einen skizzenhaften Vorschlag, der der Unabgeschlossenheit von Geschichte Form gibt.
Ergänzt wird die Installation durch bepflanzte Töpfe mit Wildpflanzen, die Rosa Luxemburg in ihren botanischen Notizen festhielt. Ab 1913 legte Luxemburg ein umfangreiches Herbarium an und sammelte Pflanzen sowohl in Freiheit als auch während ihrer Haft zwischen 1915 und 1918. In Normans Installation gehen diese Pflanzen eine Verbindung mit der parkartigen Anlage des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde ein.
Kuratiert von Dennis Brzek
Denkmal für ein Denkmal für ein Denkmal wird von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe im Rahmen der Förderung besonderer touristischer Projekte finanziell unterstützt.
Das Programm für Kinder und Jugendliche wird realisiert durch die Jugendkunstschule Lichtenberg.
Samstag, 13.06.
Nils Norman: Denkmal für ein Denkmal für ein Denkmal
Eröffnungsveranstaltung
Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Revolutionsdenkmal)
16:00 Uhr
Keine Anmeldung erforderlich.
Sonntag, 14.06.
Führung zu Mies van der Rohes Revolutionsdenkmal
Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Treffpunkt: Haupteingang)
13:00 Uhr (auf Deutsch)
Kostenfrei, um Anmeldung wird gebeten unter info(at)miesvanderrohehaus.de.
Samstag, 04.07.
Lecture and Conversation: Ariane Müller & Elisa R. Linn
Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Treffpunkt: Haupteingang)
17:00 Uhr (auf Englisch)
Kostenfrei, um Anmeldung wird gebeten unter info(at)miesvanderrohehaus.de.
Sonntag, 05.07.
Führung zu Mies van der Rohes Revolutionsdenkmal
Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Treffpunkt: Haupteingang)
13:00 Uhr (auf Deutsch)
Kostenfrei, um Anmeldung wird gebeten unter info(at)miesvanderrohehaus.de.
Samstag, 11.07.
Praktischer Workshop zu Rosa Luxemburgs Herbarium
mit Prof. Dr. Marcin Zych, Botaniker, Universität Warschau
Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Treffpunkt: Haupteingang)
12:00 bis 14:00 Uhr (auf Englisch)
Rosa Luxemburgs wiederentdecktes Herbarium eröffnet einen ungewöhnlichen Zugang zu ihrem lebenslangen Interesse an Pflanzen und Naturbeobachtung. Als wissenschaftliche Sammlung und persönliches Archiv zugleich verweist es auf eine Kulturtechnik, die seit Jahrhunderten Wissen über die Pflanzenwelt bewahrt und weitergibt. Gemeinsam mit dem Botaniker Prof. Dr. Marcin Zych folgen die Teilnehmenden Rosa Luxemburgs Praxis des Herbarisierens, vom Sammeln und Präparieren von Pflanzen bis zur Dokumentation von Pflanzenbelegen.
Kostenfrei, um Anmeldung wird gebeten unter info(at)miesvanderrohehaus.de.
Samstag, 11.07.
Lecture and Conversation: John Miller & Elisa R. Linn
Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Treffpunkt: Haupteingang)
17:00 Uhr (auf Englisch)
Kostenfrei, um Anmeldung wird gebeten unter info(at)miesvanderrohehaus.de.
Sonntag, 12.07.
Ikone der Moderne. Vor 100 Jahren wurde das Revolutionsdenkmal eingeweiht
Führung mit Prof. Dr. Jürgen Hofmann
Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Treffpunkt: Haupteingang)
14:00 Uhr (auf Deutsch)
Kostenfrei, um Spende wird gebeten. Keine Anmeldung erforderlich.