Am ehemaligen Standort von Mies van der Rohes Revolutionsdenkmal, das 1926 errichtet und neun Jahre später vom NS-Regime zerstört wurde, lädt die Kuratorin und Forscherin Elisa R. Linn die Künstlerin Ariane Müller dazu ein, über ihre Arbeit Monument für Schröderstrasse (2005) zu sprechen, und den Künstler John Miller, seinen Vortrag Public Art and The Law of Unintended Consequences zu präsentieren.
Ausgehend von ihrer Forschung zu Gegenöffentlichkeiten in der DDR und in den Jahren nach dem Mauerfall führt Linn mit einer Lesung aus Sybille Bergemanns Das Denkmal (1975–1986) sowie aus Das Gespenst verlässt Europa (1990) von Heiner Müller und Sibylle Bergemann in die beiden künstlerischen Beiträge ein. In den anschließenden Gesprächen diskutieren Linn und die Künstler:innen, welche politischen Geschichten durch die Präsenz und die Abwesenheit eines Denkmals fortwirken und wie Kunst in diesem Zusammenhang den öffentlichen Raum umgestaltet.
Im Rahmen von Nils Norman: Denkmal für ein Denkmal für ein Denkmal.
Ariane Müller spricht über ihre Arbeit Monument für Schröderstrasse (2005), die sich mit den sozialen und räumlichen Praktiken auseinandersetzt, die nach 1989 in den Ruinenlandschaften des Postsozialismus entstanden und im Zuge von Stadterneuerung und Gentrifizierung inzwischen weitgehend verschwunden sind. Ausgehend von Schröderstrasse, einem temporären, selbstorganisierten Kunstraum in Ost-Berlin, der heute so nicht mehr existieren kann, rekonstruiert die Arbeit Elemente dieses Ortes in einem Museum. Indem die Arbeit den Innen- und Außenraum ineinander verkehrt, unterläuft sie zugleich die Logik des Denkmals selbst. Die Vielzahl der Türen und die rekonstruierte Umgebung verweisen sowohl auf die Offenheit selbstorganisierter Räume als auch auf das Paradox, diese innerhalb eines Museums bewahren zu wollen. Wie können (Gegen-)Denkmäler, verstanden nicht nur als Objekte, sondern als Praktiken, politische Utopien lebendig halten und das Recht auf Stadt als gemeinsame Gestaltung urbanen Raums praktizieren?
Treffpunkt ist die Installation Denkmal für ein Denkmal für ein Denkmal auf dem Gelände des ehemaligen Revolutionsdenkmals, Zentralfriedhof Friedrichsfelde, Gudrunstr. 20, 10365 Berlin.
Die Teilnahme ist kostenfrei, um Anmeldung wird gebeten unter info(at)miesvanderrohehaus.de.
Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt.
John Miller präsentiert seinen Vortrag Public Art and the Law of Unintended Consequences, in dem er den öffentlichen Raum nicht als gegebenen , sondern als umkämpften Ort erkundet. Ausgehend von den unvorhergesehenen Folgen, die entstehen, wenn Kunstwerke auf den urbanen Alltag treffen, untersucht er, wie sie ein Eigenleben entwickeln: Sie werden zu Denkmälern, Gegenstand öffentlicher Kontroversen, zu Mythen oder Orten kollektiver Erinnerung und übernehmen dabei erinnerungskulturelle, symbolische und historische Funktionen. Miller fragt, wie ihre Bedeutungen und Wirkungen die Absichten ihrer Urheber:innen überschreiten, verzerren oder ihnen sogar widersprechen können. Was bleibt von Kunst im öffentlichen Raum nach ihrem politischen, materiellen oder symbolischen Verschwinden? Und wie wirkt sie durch Erinnerung, Verlust und historischen Wandel weiter?
Treffpunkt ist die Installation Denkmal für ein Denkmal für ein Denkmal auf dem Gelände des ehemaligen Revolutionsdenkmals, Zentralfriedhof Friedrichsfelde, Gudrunstr. 20, 10365 Berlin.
Die Teilnahme ist kostenfrei, um Anmeldung wird gebeten unter info(at)miesvanderrohehaus.de.
Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.