
13. September 2026 bis 10. Januar 2027
Eröffnung: Samstag, 12. September, 16 bis 21 Uhr
In den USA haben sich traditionelle Techniken der Holzverarbeitung häufig in historischen Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit entwickelt, geprägt von freiwillig und unfreiwillig arbeitslosen Handwerker:innen. Matt Browning (*1984, lebt und arbeitet in New York) greift formale und technische Prinzipien dieser Traditionen auf, um das Medium Skulptur und die Strukturierung von Raum zu befragen. Die Serialität und Veränderbarkeit seiner Arbeiten bettet sie auf unterschiedliche Weise in ihre Kontexte ein, beharrlich und aufmerksam.
Viele der Arbeiten in A Screen of Trees (dt. Ein Vorhang aus Bäumen) bestehen aus beweglichen, aber strikt miteinander verbundenen Ketten, die Browning aus zusammenhängenden Blöcken Douglasienholz schnitzt und die die handlichen Objekte des traditionellen Whittlings auf Raumgröße übertragen. Die Stapel gleichmäßig geschnitzter Glieder bilden eine veränderbare Architektur, durch die jede Skulptur zu einer geraden Linie verdichtet oder zu einem Gitter ausgefahren werden kann. Gemeinsam betrachtet erscheinen die Arbeiten wie ein System unterschiedlicher, aber vergleichbarer Einheiten, die im Raum wie Worte arrangiert werden können, um syntaktische Verbindungen sowohl untereinander als auch mit ihrer Umgebung aufzubauen.
Neben den Schnitzarbeiten zeigt Browning The Concept House (2026), eine neue Arbeit aus gestapelten Stücken Rotzedernholz, die zu gestuften Pyramidenformen aufgeschichtet und anschließend zu einem größeren Volumen verbunden werden. Die Arbeit entstand in einem additiven Prozess des schrittweisen Aufbaus, der den reduktiven Vorgang des Schnitzens beinahe umkehrt. Anschließend wurde sie mit einer dichten, leuchtenden Schellackschicht überzogen.
Die Titel, die Browning für seine Arbeiten und Ausstellungen verwendet, beziehen sich häufig auf Begriffe aus der Kunstgeschichte, die Beziehungen zwischen Material, Form, Raum und künstlerischer Arbeit beschreiben. A Screen of Trees bezeichnet eine kompositorische Strategie der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts, bei der Bäume so im Mittelgrund positioniert werden, dass sie den Blick auf den Hintergrund teilweise verdecken. Browning greift diesen Begriff auf, um auf ein bis heute wirksames epistemisches Problem der Kunst zu verweisen: das Verhältnis von Vordergrund und Hintergrund.
Die Arbeiten in A Screen of Trees wenden sich mehrheitlich nach außen und suggerieren damit eine Umkehrung der Blickrichtung, die die Architektur des Mies van der Rohe Hauses vorgibt. Der 1932/33 errichtete Bungalow stellt, obwohl in seiner Ausführung außerordentlich schlicht, einen argumentativen Höhepunkt in der Aneignung von Natur durch die Moderne dar. Die Landschaft wird durch Fenster, die formal die visuelle Sprache industrieller Massenproduktion simulieren, aber historisch bereits Einzelanfertigungen waren, gerahmt und in das Gebäude integriert. Während die Fenster den Blick auf die umgebende Landschaft lenken, fordern Brownings Skulpturen dazu auf, von außen betrachtet zu werden. Dadurch treten erst die gerasterten Fensterrahmen, dann schrittweise auch der sich in Richtung Park erstreckende Garten ins Blickfeld, um einen Screen of Trees zu erzeugen, der zugleich betrachtet wird und den Blick definiert.
Wie der Kunsthistoriker Michael Baxandall in seiner Untersuchung zur Holzskulptur der deutschen Renaissance bemerkte: „Alle Holzbildwerke bleiben langsam arbeitende, veränderliche Körper“ und bezog sich damit auf die Porosität des Materials, das noch lange nach Beenden des Schnitzprozesses auf Umwelteinflüsse wie Luftfeuchtigkeit und Sonneneinstrahlung reagiert. In Brownings Skulpturen überträgt sich diese Wandelbarkeit auf der Ebene des Materials auf die Form selbst. Die Ausstellung im Mies van der Rohe Haus reflektiert diese Logik der Wandelbarkeit auf institutioneller Ebene, indem sie die Fortführung einer Präsentation im Kunstverein München im Frühjahr 2026 markiert. Sie sind wie zwei Knoten in einer größeren Kette, Each in its Isolation, Locked Together in Unity.
Kuratiert von Dennis Brzek
Das Mies van der Rohe Haus ist Partner der Berlin Art Week.
Samstag, 12.09.
Matt Browning: A Screen of Trees
Eröffnung
16:00 bis 21:00 Uhr
Sonntag, 13.09.
Berlin Art Week 2026: Verlängerte Öffnungszeiten
10:00 bis 18:00 Uhr
Künstlergespräch mit Matt Browning
16:00 Uhr
Auf Englisch
Freier Eintritt, keine Anmeldung erforderlich