Mies Jahr 2021

135. GEBURTSTAG UND DIE WIEDERERÖFFNUNG DER SANIERTEN NEUEN NATIONALGALERIE

Im März 2021 wäre Ludwig Mies van der Rohe 135 Jahre alt geworden, gleichzeitig wird die Neue Nationalgalerie – sein Spätwerk – nach fünfjähriger Sanierung im August 2021 mit einem Staatsakt wiedereröffnet. Das Mies van der Rohe Haus möchte beide Ereignisse als Aufhänger für ein Mies-Jahr nehmen. Die Projekte „Mies 135“ haben das Ziel, die Jahresplanung des Hauses mit einem Jubiläumsprogramm zu unterstützen. Es soll der Fokus vor allem auf unbekannte Seiten des Architekten Ludwig Mies van der Rohe gelenkt und damit eine zusätzliche öffentliche Kommunikationsebene geschaffen werden. Die Projekte werden im Zeitraum des Mies Jahres von März 2021 bis Dezember 2021 realisiert. Die einzelnen Projekte haben unterschiedliche Formate von museumspädagogischen Ansätzen („Haus Lemke von Mies leicht erklärt“) über die Veröffentlichung unbekannter, ungebauter Werke von Mies („Mies Map“), bis hin zur Erforschung der Schrift im Werk von Mies entlang der Denkmalskultur („Mies und die Schrift“). Einbezogen werden Architekt*innen, Künstler*innen, Kunst- und Architekturhistoriker*innen, Miesforscher*inne. Es wird zudem Kooperationen mit zwei Hochschulen geben, an die Teile der Zuwendung wei- tergegeben werden. Dazu gehören die TU Wien, Forschungsbereich für Raumgestal- tung und Entwerfen, Institut für Architektur und Entwerfen, Professor Wilfried Kuehn und die weißensee kunsthochschule berlin, Professor Jörg Petruschat. Ziel ist es, eine breite Fachöffentlichkeit in die Umsetzung der Projekte einzubeziehen und nationale und internationale Netzwerke auszubauen.

MIES UND DIE SCHRIFT

Forschungsbeitrag

Bislang völlig unerforscht ist der Umgang von Mies van der Rohe mit Schriftgestaltung. Gerade bei Denkmalobjekten und Grabmälern hat er – ganz in der Bauhaustradition - selbstentworfene Schrifttypen entwickelt und verwendet. Der Sohn eines Steinmetzes hat sie als Gestaltungselement im Gesamtentwurf integriert. Nicht nur in seiner Architektur, sondern auch in der Verwendung von Schrifttypen sind bei Mies van der Rohe ästhetischen Prinzipen enthalten. Ganz besonders interessant ist die Verwendung von Schrift in Versalien als sogenannte „Wortbilder“. Diese lassen sich im Entwurf für die Schinkel Wache (1930) Unter den Linden, dem Revolutionsdenkmal (Denkmal für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht) und dem unverwirklichten Schriftsatz „Ich war ich bin ich werde sein“ und in der von 1923-1926 herausgegebenen Zeitschrift „G“ wiederfinden. Hier steht der Buchstabe G für Gestaltung. Ziel ist es den Zusammenhang von Wort, Bild und Schrift in der modernen Kunst und Architektur der künstlerischen Avantgarde, zu der Mies van der Rohe zählt, erstmalig zu erforschen und einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Geplant ist ein Vortrag, welcher im Zeitraum von Oktober bis Anfang Dezember 2021 im Mies van der Rohe Haus veranstaltet wird. Zur Präsentation der Forschungsergebnisse werden 100 Gäste erwartet. Das Forschungsprojekt wird von der Deutsch-Japanerin Mariko Takagi realisiert. Sie ist Künstlerin, Designerin und Wissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Typographie und unterrichtet aktuell an der Doshisha Women‘s College Kyoto.

ICONIC HOUSES NETWORK

Das Mies van der Rohe Haus möchte sich an der internationalen Plattform von den Bauten der Moderne beteiligen und das Landhaus Lemke in den weltweiten Diskurs bringen. Eine Mitgliedschaft sichert eine Kommunikation des Mies van der Rohe Hauses auf internationaler Ebene und führt zur Teilnahme an internationalen Kongressen, Vortragsreihen und zu neuen Forschungsdiskursen. Das Haus soll in Wort und Bild auf der Plattform kommuniziert werden und sich in die Riege der anderen Ikonen der Moderne einreihen. Eine Beteiligung bei Iconic Houses Network würde den Berliner Standort stärken und weiter in die Zukunft bringen. Von März bis Juni soll das Netzwerk mit Material wie Bildern und Texten bestückt werden. Ziel ist die Teilnahme an der geplanten digitalen Konferenz, wo das Mies van der Rohe Haus auch vorgestellt werden soll.

ICONIC HOUSES

HAUS LEMKE VON MIES LEICHT ERKLÄRT

Mit diesem Vermittlungsprojekt der kulturellen Bildung soll ein dauerhaftes, hand- liches, übersichtlich gegliedertes, gut illustriertes und leicht und schnell verständliches Informationsangebot für das Mies van der Rohe Haus entwickelt werden. Dabei stehen die besonderen Aspekte des Hauses, seine Geschichte und die Mies‘sche Architektur im Fokus. Das Projekt konzentriert sich auf die meist gestellten Fragen in Bezug auf die Architektur von Haus Lemke, wie beispielsweise „Warum hat das Haus kein Dach?“ Durch dieses Angebot werden die großen und die kleinen Besucher*innen angespro- chen. Gleichzeitig können auf Grundlage des einfach zu vermittelnden Inhaltes eigene Beobachtungen zum Bauwerk erfolgen, die zu gemeinsamen Diskussionen führen kön- nen. Das Projekt wird geleitet vom Kunst- und Architekturhistoriker Dominik Olbrisch. Er war in den vergangenen zwei Jahren als wissenschaftlicher Volontär am Haus tätig. Das Projekt wird in Kooperation mit der Kunsthochschule Weißensee als Semester- projekt mit Workshops im Mies van der Rohe Haues entwickelt.

MIES MAP

Die Neue Nationalgalerie ist der breiten Öffentlichkeit als Tempel der Moderne be- kannt und wird dieses Jahr nach denkmalgerechter Sanierung wiedereröffnet. Das Museum gehört zu den Spätwerken des Architekten (1962-1969). Weniger bekannt sind Mies‘ neoklassizistische Frühwerke in Berlin und Potsdam. Das Haus Lemke (1932/33), ein Beispiel der klassischen Moderne, ist das letzte Werk das Mies realisier- te, bevor er in die Vereinigten Staaten emigriert. In der Mies Map werden auch Mies‘ Bauausstellungen und Wettbewerbe aufgeführt. Darüber hinaus werden auch unbekannte, teilweise abgerissene oder unrealisierte Projekte in Berlin und Brandenburg in der Mies Map zusammengefasst. Dazu gehört auch der ehemalige Standort seines Ateliers am Potsdamer Platz gegenüber der Neuen Nationalgalerie. Veröffentlicht werden hier in einer unterhaltsamen Form die aktuellsten Forschungsergebnisse zum Werk von Mies. Die Adressen, die in der Map gelistet werden, umfassen die Zeitspanne von 1909 – 1968 in Berlin und Brandenburg. In 44 Stationen werden die Berliner Jahre von Mies lebendig. Ziel ist es, die Mies Map einem breiten internationalen Publikum zugänglich zu machen. Das Bauhausjahr 2019 hat gezeigt wie groß das Interesse an Mies van der Rohe ist, daher ist auch eine Übersetzung ins Englische notwendig. Sie soll als handliche Publikation mit eingelegter Karte realisiert werden und zu eigenen Erkundungen der Stadt ermuntern. Die Zusammenstellung des Projektes übernimmt der Architekturhistoriker und Fotograf Carsten Krohn. Das Projekt betrachtet dabei nicht einzelne Ikonen der Miesschen Architektur, sondern bildet alle Bauten des Architekten als eine gleichwertige umfangreiche Sammlung ab. Das Projekt soll von in dem Zeitraum März bis spätestens Oktober realisiert werden. Als Redaktionsschluss ist der 1. Juni 2021 vorgesehen. Die Mies Map soll zur Wiedereröffnung der Neuen Nationalgalerie im August fertiggestellt sein.

MIES 135 SOMMERFEST

Am 8. August findet eine Festveranstaltung zu Ehren von Ludwig Mies van der Rohe 135. Geburtstag statt. Hier werden die einzelnen zuvor beschriebenen Projekte zum Jubiläum vorgestellt. In diesem Rahmen wird auch das Programm des Mies van der Rohe Hauses selbst, wie das Ausstellungs- und Filmprojekt „Mies goes Future“ und erste Entwürfe für das Kinderbuch „Mies + Scharoun“ von Kitty Kahane präsentiert. Zum Festakt kommen Miesexperten und Kunst- und Kulturinteressierte zusammen um den weltberühmten Architekten zu ehren. Das Sommerfest findet unter dem Motto SAMT UND SEIDE im Garten des Mies van der Rohe Hauses statt und zur Ver- anstaltung werden ca. 600 Besucher*innen erwartet.

MIES JAHR 135

Das Projekt „Mies Jahr 2021 - 135. Geburtstag und die Wiedereröffnung der sanierten Neuen Nationalgalerie“ wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.